Kunst in und außerhalb der Bernsteinbäder
Über den künstlerischen Tellerrand geblickt

Amy Winehouse, Elisabeth Tailor, Frida Kahlo, Wonder Woman… All diese großartigen Frauen sind für viele Menschen Idole und Inspiration. Und auch, wenn sie alle vier unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie eines gemeinsam: Sie hängen alle zusammen im Ückeritzer Haus des Gastes ab. Auf großen Leinwänden verewigt, sind sie offenbar auch für einen der bekanntesten Usedomer Künstler eine Quelle der Inspiration und der Schaffensfreude gewesen: Oskar Manigk.

Dem Maler ist die 7. Ückeritzer Kunstausstellung gewidmet, die noch bis zum 9. Oktober im großen Saal im Ückeritzer Haus des Gastes zu sehen ist (Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr).

Ein Besuch lohnt sich. Denn der prominente Usedomer Künstler zeigt in seiner neuesten Werkschau nicht etwa alte Kamellen. Die knapp 30 ausgestellten Werke sind aktuell. Allesamt in den letzten drei Jahren entstanden, präsentiert sich der 88-jährige Maler moderner denn je. Der Ausnahmekünstler, der sich nie in eine bestimmte Schublade hat pressen lassen, scheint ein echter Fan der Soullegende Amy Winehouse oder des Countrystars Johnny Cash.

Pop Art lässt grüßen, könnte man hier glatt sagen. Und doch ist der Begriff zu kurz gedacht, reicht für einen wie Manigk längst nicht aus. Umso stolzer ist die Ückeritzer Kurverwaltung mit ihm, einen der ganz Großen für ihre jährliche Ausstellung gewonnen zu haben. „Es ist toll, zeigen zu können, dass auch auf Usedom bekannte, zeitgenössische Kunst geschaffen wurde und wird“, freut sich der Ückeritzer Kurdirektor Toni Schulz.

Jedes Jahr im Herbst präsentiert das Bernsteinbad in der Ückeritzer Kunstausstellung Kunst aus der Waldstraße – der Künstlerstraße auf der Insel schlechthin. Denn hier wohnten und wohnen sie alle – die Manigks, Wegehaupts und Kandt-Horns. Eine illustre Runde, die hier Kunst schuf und schafft, der Ahrenshooper Künstlergemeinschaft gar nicht unähnlich. Nur nicht so populär.

Dass gerade die Bernsteinbäder eine Menge Kunst hervorgebracht haben und auch noch immer bringen, haben wir ja schon einmal ausführlich beschrieben (Blogbeitrag: Kunst und Künstler in den Bernsteinbädern). Immer wieder lohnenswert ist ein Besuch im Atelier von Otto Niemeyer-Holstein in Lüttenort bei Koserow. In seinem idyllischen Rückzugsort hat der wohl berühmteste der Usedomer Künstler mehr als 5000 Werke geschaffen. Sein Garten ist zudem ein Refugium unzähliger Skulpturen befreundeter Bildhauer. Denn Niemeyer-Holstein war gesellig, unterhielt zu vielen Künstlern – auch zu denen aus der Ückeritzer Waldstraße – regen Austausch.

 

Apropos Refugium. Auch außerhalb der Bernsteinbäder, ist Kunst in so manchem Refugium auf der Insel zu finden. So zum Beispiel im gleichnamigen Atelier „Refugium Kunst am Meer“ in Zinnowitz. Regelmäßig lädt die kleine Galerie zu Einzel- oder Gruppenausstellungen regional etablierter, zeitgenössischer Künstler wie Oskar Manigk oder anderer Bildhauer und Maler aus der Ückeritzer Waldstraße ein. An diesem Sträßlein kommt auf Usedom eben kein Kunstliebhaber vorbei. Über das Jahr verteilt finden im Zinnowitzer Refugium Vernissagen, aber auch Lesungen statt. Wer zudem vinophile Besonderheiten mag, wird in der dazu gehörenden Vinothek sicher fündig.

Der regionalen Kunst haben sich auch drei weitere Usedomer Galerien verschrieben: Die Galerie Werth in Benz, das Kaleidoskop in der Stadt Usedom und der Heringsdorfer Kunstpavillon.

Die gebürtige Bremerin Susanne Werth hat viele Jahre in der Südsee gelebt, bevor sie nach Usedom kam und eine kleine, aber feine Galerie in Benz neben der Kirche eröffnete. Hier möchte sie vor allem jungen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region eine Möglichkeit der Präsentation geben.

Im Usedomer Kaleidoskop sind ebenfalls Künstlerinnen und Künstler aus der Region – vor allem von der Insel – in wechselnden Ausstellungen zu beschauen. Der Usedomer Kunstverein, der die Galerie gleich um die Ecke der backsteinernen Marienkirche betreibt, möchte hier jedoch nicht nur Ausstellungen zeigen, sondern lädt auch zu Filmvorführungen, Lesungen und kleinen Theaterstücken ein. Außerdem sollen die Räume Künstlern als Atelier dienen, so dass sie ihre Kunst direkt vor Ort erschaffen können.

 

Auch der Heringsdorfer Kunstpavillon, direkt an der Promenade des Kaiserbades, hat ein Auge auf die bekannten Künstler der Ückeritzer Waldstraße geworfen und stellt regelmäßig ihre Schöpfungen neben anderen zeitgenössischen Künstlern aus. Hier wie auch im Kunstsalon in der Karlstraße von Koserow gibt es die Möglichkeit, die Kunstwerke in Kunstauktionen für das eigene Heim zu ersteigern. Für viele Kunstliebhaber ist das Bieten ein spannendes Vergnügen.

Wer im Gegensatz zur Malerei eher der Fotografie zugeneigt ist, dem seien zwei wundervolle Galerien ans Herz gelegt. Klein, aber fein zeigt die Galerie usedomfotos auf dem Zinnowitzer Kirchberg auf gerade einmal 40 Quadratmetern besondere Inselfleckchen zum Verlieben. Matthias Gründling, der Betreiber der Galerie, hat alles selbst gebaut und dekoriert und bietet hier den zahlreichen Fotografen von Usedom ein Podium, ihre Werke einem breiten Publikum zu zeigen. Dabei sind für ihn die letzten Fischer ein ebenso spannendes Thema wie die versteckten Inselecken. Einmal im Jahr lädt er für eine Ausstellung einen inselexternen Gast in die Galerie ein.

Ganz ähnlich handhaben es die beiden Fotografen Ralf Klinkhammer und Henry Böhm in ihrer Usedom Galerie Foto-Art vis-a-vis der Heringsdorfer Seebrücke. Neben der ganz eigenen Sicht auf die Insel, die sie immer wieder in wunderschönen Momentaufnahmen einfangen, geben die beiden in ihrem Gästezimmer auch immer einem Künstler eines anderen Metiers die Gelegenheit, ihre oder seine Werke auszustellen – darunter auch Malerei oder Bildhauerei.

Kunstliebhabern aller Couleur wird also auf der Insel einiges in Sachen Malerei, Skulptur oder Fotografie geboten. Und sie zu entdecken, ist immer wieder ein Erlebnis.

Text: Sandra Grüning – Textwerkstatt Küstenkind
Fotos: Henry Böhm – Usedomgalerie

 

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