Eiszeit in den Bernsteinbädern 

– Die Inselmitte einmal neu entdecken

Es ist die Zeit der Ruhe und der Entspannung, die Zeit der einsamen Strände, der froststarren Felder und der kuscheligen Stunden vor dem Kamin. Der Winter in den vier Bernsteinbädern ist jedoch nicht die Zeit, in der sich alles nur Drinnen abspielt, weil sich die Orte ohne die Sommerfrischler in den Winterschlaf begeben haben. Es ist die Zeit, in der man die vier Fischerorte in der Inselmitte einmal ganz neu und völlig anders als im Sommer kennenlernen und entdecken kann.

 

Zugegeben so ein Buch von einem der Usedomer Krimiautoren wie Elke Pupke und George Tenner oder eine der spannenden Ausgaben der Koserower Bernsteinhexe nebst einem dampfend heißen und duftenden Getränk vor einem Kaminofen – das hat schon etwas. Vor allem, wenn draußen der eisige Nordost um das Haus weht und das Rauschen der Ostsee selbst hinter dicken Mauern noch immer gewaltig klingt.

Auch eine entspannende Massage in einer der Wellnessoasen in den Bernsteinbädern ist zu dieser Jahreszeit etwas Wunderbares. Sehr zu empfehlen, wenn die Temperaturen sich dem Gefrierpunkt nähern, ist eine wärmende und vor allem wohltuende Bernsteinölmassage im Bernstein Medical Spa der Hanse Kogge in Koserow. Denn sich rundum verwöhnen zu lassen, gehört doch irgendwie zum Winter wie die Eisschollen auf der Ostsee und die sternenklaren Nächte am Strand.

 

Den haben Spaziergänger zu dieser Jahreszeit fast gänzlich für sich allein. Warm eingepackt, mit Mütze, Schal und Handschuhen versehen, gibt es doch kaum etwas Schöneres, als bei strahlend blauem Himmel und frostig klarer Winterluft am Strand entlang zu spazieren. Nach einer ordentlichen Sturmnacht ist die Wahrscheinlichkeit hoch, einen der heißbegehrten Bernsteine zu finden. Denn wenn der Sturm aus Nordosten kam, hat er das Meer bis auf den Boden ordentlich umgepflügt und die kostbaren Sammlerobjekte zu Tage gefördert. Mit der Strömung werden die leichten Harzbrocken direktemang an den Strand getragen. Die größte Chance einen zu finden, haben allerdings die frühen Vögel. Denn kurz nach Sonnenaufgang bringt die noch tiefstehende Sonne das goldgelbe Harz ganz besonders schön zum Funkeln. Hat man erst einmal einen gefunden, wird die Kälte nebensächlich. Man kann einfach nicht mehr aufhören, nach dem nächsten Fundstück Ausschau zu halten.

Auch die alten Fischerdörfer selbst geben verschneit ein verträumtes Winterbild ab, wenn die Eiszapfen von den Dächern der alten Fischerhäuser in Zempin oder Loddin hängen und das Achterwasser allmählich zufriert. Ob eine kleine Wanderung zum Loddiner Höft, durch den Wald bei den Koserower Torflöchern oder auf dem Deich hinter dem Zempiner Hafen – die Natur der Insel ist auch im Winter einzigartig. Die Luft flimmert dann in zarten Pastelltönen, während die Landschaft zu Eis erstarrt.

 

Die Wiesen hinter dem Zempiner Hafen oder zwischen Loddin und Ückeritz sind ideal zum Schlittschuhlaufen. Schon nach ein paar Frosttagen sind sie zugefroren und die Gefahr einzubrechen, geht gegen Null. Also rauf auf die Kufen und ein paar Pirouetten drehen. Die beste Rodelpiste gibt’s übrigens auf dem Streckelsberg. Keine Sorge, die Piste verläuft auf der Rückseite der Steilküste durch den Küstenwald in rasanter Fahrt ins Dorf hinunter.

Sind die Nasen rot gefroren und die Finger klamm, wärmt ein heißes Getränk von Björn Hadem auf der Koserower Seebrücke wieder wunderbar auf und durch. Seine zu einer Bar umgebaute Ape ist auf dem neuen Seesteg ein Hingucker und gern genossener Anlaufpunkt.

Wer denkt, auf der Insel Usedom wird im Winter nicht gebadet, der irrt. Manch Insulaner ist mächtig hart im Nehmen und badet erst am letzten Tag des Jahres ab, um dann an Neujahr sofort wieder ins eisgekühlte Ostseenass zu springen. Jürgen Altmann ist solch ein hartgesottener Bader. Jeden Sonntag geht er mit einem Nachbarn in Kölpinsee ins Wasser – ganz gleich zu welcher Jahreszeit. „Hinterher geht’s im Winter oft in die Sauna“, sagt er. Da macht das Baden doch erst richtig Laune. Allerdings muss es bei ihm fürs Foto stilecht zugehen. Im Smoking mit Zylinder, Sekt und Zigarre steigt er in die Winterfluten. Sonst trägt er dagegen lediglich eine Pudelmütze. Seine Frau Roswitha – die selbst so gar nicht baden geht –, verrät, dass das Eisbaden offenbar ein wahrer Jung- und Gesundbrunnen sei. Denn ihr Mann – immerhin schon 72 Jahre alt – sei so gut wie nie krank.

Ein großes Ziel hat Jürgen Altmann noch. Er will unbedingt einmal bei der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen mitmachen. „Das schaffe ich“, ist er überzeugt. Schließlich schwimmt er jeden Sonntag in der eisigen Ostsee ein paar Runden und hat für einen Film sogar schon einmal einen Stuntman gedoubelt, weil der im Winter nicht ohne Neoprenanzug in den Hamburger Hafen springen wollte.

Text: Sandra Grüning – Textwerkstatt Küstenkind
Fotos: Henry Böhm – Usedomgalerie

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