Die Rettungsschwimmer sorgen in den Bernsteinbädern alljährlich für ungetrübten Badespaß

Sommer, Sonne, Strand und ausgiebiges Baden in der Ostsee – das ist die Zauberformel für das perfekte Urlaubsglück. Vor allem in den Bernsteinbädern ist mit dem langen und feinen Sandstrand die Grundvoraussetzung für eben jenes Auszeitvergnügen schon von Natur aus gegeben. Da wird in der schönsten Zeit des Jahres das Areal um die geliebte Strandmuschel mit Strandburg und Strandsandgebäck zum Wohnzimmer, aus dem Mann, Frau, Kind und Kegel erst wieder ausziehen, wenn die Sonne hinter der Düne untergeht.

Damit der Sommerspaß für alle Wassernixen, Luftmatratzenpiraten und Kleckerburgenarchitekten ungetrübt und frei von Sorgen bleibt, darum kümmern sich ehrenamtliche Lebensretter. In Zempin, Kölpinsee und Ückeritz gehören sie zur Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), in Koserow zum Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Doch ganz gleich, ob DLRG oder ASB – von Mitte Mai bis Mitte September haben die Rettungsschwimmer jeden Tag auf alle Bade- und Strandgäste ein Auge.

„Können Sie mir sagen, wie warm das Wasser heute ist?“, fragt ein älterer Herr bei den Jungs am Hauptturm in Koserow nach. „Die Ostsee hat jetzt 16 Grad Celsius“, antwortet Wachleiter Randy Kröger. Auch solche Hilfestellungen gehören zum Alltag der Rettungsschwimmer und sind jedem der gut ausgebildeten Retter lieber, als wenn es im Wasser um Leben und Tod geht. Dass in den Bernsteinbädern jemand ertrunken ist, sei zum Glück schon lange her, sagt der Rettungsschwimmer Richard aus Greifswald. Die meisten Einsätze hätten sie mittlerweile ohnehin eher an Land. Insektenstiche, Sonnenstiche, Kreislaufprobleme, Schnitte, Brüche, ausgerenkte Hüften… Auch Herzinfarkte seien schon dabei gewesen. Wie gut, dass etliche der Rettungsschwimmer auch gleichzeitig ausgebildete Sanitäter sind. Auf dem Hauptturm der DLRG in Kölpinsee seien über den Sommer sogar drei Ärzte anwesend, sagt der dortige Wachleiter Steffen Reis stolz. „Das ist schon Luxus“, so der gebürtige Thüringer.

Neben den Haupttürmen besitzt jedes Bernsteinbad noch bis zu vier mobile Türme, die mit jeweils zwei Rettern besetzt sind. So dass in jedem der Bäder in der Hauptsaison zwischen zehn und vierzehn Lebensretter vor Ort aufpassen, dass nichts passiert oder wenn doch, dass schnell geholfen wird. Die Rettungsschwimmer kommen aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Polen. Einige von ihnen bleiben die gesamte Saison über im Einsatz, andere verbringen ihren Urlaub oder einen Teil ihrer Semesterferien als ehrenamtliche Retter in den Bernsteinbädern. In der Regel jedoch wechseln die Wachmannschaften alle zwei Wochen.

Bei ihrer Tätigkeit werden die Rettungsschwimmer von moderner Technik unterstützt. Ob Rettungsboote, Quads, Jetskis oder Kajaks, Rettungsbojen und Traumabretter, Defibrillatoren oder die Persönliche-Schutz-Ausrüstung – die Retter sind gut ausgestattet. Zudem besteht immer ein direkter Draht zur Leitstelle in Greifswald, die, sollte es brenzlich werden, sofort einen Krankenwagen oder Helikopter losschickt.

Solche Großeinsätze mit dem Hubschrauber bleiben zum Glück meist die Ausnahme. Dafür aber lange im Gedächtnis. So kann sich Urs aus Ulm noch gut an einen Einsatz im Jahre 2021 in Koserow erinnern. Die gelbe Flagge war gehisst. Die Ostsee hatte ordentlich Wellen. Gegen Ende der Schicht fiel eine Strandmuschel auf, in der zwar Kleidung und Rucksäcke lagen, aber keine Menschen. Zunächst haben die Rettungsschwimmer selbst überall am Strand und mit Jetskis im Wasser gesucht. Nach und nach wurden sie dann von der Feuerwehr mit Booten und einem Rettungshubschrauber unterstützt. Nach stundenlangem Suchen kamen zwei junge Männer über die Düne und waren über das Großaufgebot an Einsatzkräften an ihrer Strandmuschel überrascht. Sie waren eine Pizza essen gegangen und hatten vom Trubel am Strand nichts mitbekommen. „Zum Glück war nichts passiert. Aber man sollte keine Sachen unbeaufsichtigt am Strand liegen lassen“, meint Urs.

Sollte tatsächlich einmal ein Ernstfall eintreten, heißt es für die Rettungsschwimmer schnell, aber besonnen reagieren. So wie einmal in Kölpinsee, als fünf Kinder und drei Erwachsene an die Buhnen getrieben wurden und dort festhingen. „An den Holzstämmen wird der Sand weggespült. Dadurch entstehen tiefe Löcher, an denen sich oft gefährliche Strömungen bilden. Bei starkem Wellengang besteht außerdem die Gefahr, dass man an die mit Pocken übersäten Buhnen gedrückt wird und sich verletzt“, erzählt Steffen Reis vom Turm in Kölpinsee. So sei es auch bei den fünf Kindern gewesen und sogar die hinzueilenden Erwachsenen hatte es an die Buhnen getrieben. „Das war eine große Aktion. Aber wir haben sie alle lebend an den Strand gebracht.“

Nicht in jeder Situation müssen die Rettungsschwimmer jedoch ins Wasser gehen. Schließlich dürfen sie ihr eigenes Leben nicht in Gefahr bringen. Dank ihrer Besonnenheit gehen die meisten Bade- und Strandunfälle aber glimpflich aus. „Wir würden uns dennoch manchmal wünschen, dass die Menschen unsere Hinweise, von den Buhnen fernzubleiben oder bei gehisster roter Flagge nicht ins Wasser zu gehen, ernster nehmen. Wir machen das ja nicht aus Willkür, sondern weil es wirklich gefährlich sein kann“, erklärt Wachleiter Kröger aus Koserow.

Hier noch einmal eine Übersicht der Flaggen:

Rot-gelbe Flagge: Die Rettungstürme sind mit Rettungsschwimmern besetzt.
Gelbe Flagge: Bitte nur ins Wasser gehen, wenn man ein geübter Schwimmer ist.
Rote Flagge: Weht die rote Flagge, ist das Schwimmen lebensgefährlich. Darum ist Baden verboten.

PS: Die Bernsteinbäder Koserow und Ückeritz haben mit ihren Tiralos noch ein ganz besonderes Bade-Gimmick zu bieten. Der Tiralo ist ein Strandrollstuhl für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Er lässt sich dank seiner großen Reifen problemlos auf dem Sand bewegen und ermöglicht es dem darin Sitzenden, mit einer Begleitperson im Wasser zu baden. Zwei solche Tiralos mit Begleitung können am Koserower Hauptturm ausgeliehen werden. In Ückeritz kann beim Strandkorbverleiher Jörg Lewerentz ein Baderollstuhl unentgeltlich ausgeliehen werden.

 

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