Wie aus einem unscheinbaren Stein ein echtes Schmuckstück wird.

Der Herbst hält Einzug auf der Insel. Und mit ihm die Stürme. Hohe Wellen, weiße Schaumkronen soweit das Auge reicht, eine ordentliche Brise Ostseewind im Gesicht. Genau das richtige Wetter zum Bernsteinsammeln und -verarbeiten.

„Denn ein paar Tage nach dem Sturm, wenn das, was die See vom Grund aufgewühlt hat, an den Strand geschwemmt wird, dann ist hier in den Bernsteinbädern das Lieblingsfundstück der Strandspaziergänger im Spülsaum zuhauf zu entdecken“, verrät Matthias Hengstler. Aber jeder habe beim Finden so seine eigene Methode. Der große Mann, der ein wenig an einen urigen Wikinger erinnert, lacht.

Matthias Hengstler ist ein waschechtes Inselkind aus Kölpinsee. Schon als Junge ist er losgezogen, um das „Gold der Ostsee“ zu sammeln, konnte gar nicht genug davon bekommen. Sein größtes, selbst gefundenes Exemplar wog mehr als 600 Gramm und hatte ein Volumen von über einem Liter. „Man muss sich das mal vorstellen. Ein Bernstein so groß wie ein Tetra Pak“, schwärmt er. Alles, was es über das fossile Harz zu erfahren gibt, hat er aufgesogen wie ein Schwamm.

Mittlerweile ist er ein echter Experte. Aber Hengstler ist kein Geheimniskrämer. In seinen Bernsteinschleifkursen zeigt er, wie Bernstein verarbeitet wird und wie aus einem unscheinbaren und matten Findling ein echtes Schmuckstück werden kann, das in der Sonne warm und golden schimmert. Dabei geht er auf jeden Teilnehmer ganz individuell ein. „Jeder bringt ja ein anderes Vorwissen mit. Einige haben sogar ihre eigenen Steine dabei. Andere haben noch nie einen Bernstein selbst gefunden“, erklärt Hengstler, „am spannendsten ist das Aussuchen.“ Denn die Teilnehmer können ihre Bernsteine vor dem Kurs selbst auswählen. Dabei fragt Matthias Hengstler, was jeder am Ende gern hätte. Denn dann suche es sich leichter. „Der Stein sagt mir anhand seiner Beschaffenheit, was man daraus machen kann.“ Manche mögen es auch, wenn er vor dem Schleifen ein Ornament hineinfräst oder den Stein mit dem Dremel in eine bestimmte Form bringt. „Fische und Herzen sind der Renner“, weiß er.

Natürlich plaudert er bei so einem Kurs auch gern aus dem Nähkästchen. Viel ist da von ihm zu erfahren über den besonderen Ostseestein. Zum Beispiel, dass nur zehn Prozent der baltischen Bernsteine vollkommen Weiß sind. Die Scheichs aus dem Orient würden solche Glückssteine lieben und oft horrende Summen dafür bezahlen. Oder dass die glitzernden Einschlüsse in manchen Steinen Sonnenflinten genannt werden und 60 Millionen Jahre alte Sauerstoffblasen sind, die durch das Erhitzen des Materials zerplatzen. „In der Schmuckherstellung sind Sonnenflinten sehr beliebt“, weiß der Fachmann.

Beim Schleifen bekommt jeder seiner Teilnehmer mehrere Schleifpapiere mit unterschiedlicher Körnung. Geschliffen wird in der Hand und mit Wasser. So habe man ein besseres Gefühl für den Stein und sähe gleich den Erfolg. Denn Feingefühl ist gefragt. Bei zu großem Druck kann es passieren, dass ein Stück vom Stein abplatzt. Fehlt das handwerkliche Geschick, hilft Hengstler gern. Doch vor dem Umhängen um Hals oder Handgelenk kommt das Polieren. „Zahnpasta und ein Baumwolltuch reichen. Wenn man den Stein dann noch an der eigenen Jeans reibt, bis es warm wird, ist aus dem trüben Harzbrocken ein echtes Schmuckstück geworden.

Da uns Bernsteinbäder Ückeritz, Loddin, Koserow und Zempin der Bernstein ebenso fasziniert wie Matthias Hengstler, bieten wir über das Jahr verteilt ganz verschiedene Veranstaltungen zum Mitmachen und Selbsterleben rund um dieses Thema an. Im nächsten Jahr wird es daher auch Bernstein-Schleifkurse mit Matthias Hengstler geben, in denen sich jeder selbst ausprobieren kann.

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