Es duftet kräftig nach Harz und nach ätherischen Ölen. Überall stehen Kisten und Kistchen voller Bernstein. Skizzen von Schmuckstücken hängen an der Wand. In den Regalen leuchten kleine Kunstwerke aus dem goldgelben Naturstein, dem Gold der Ostsee.

Matthias Hengstler verarbeitet in seiner Werkstatt in Loddin Bernstein zu echten Kunstwerken und kleinen Figuren, um sie anschließend in seinem Strandkorbverleih in Kölpinsee zu verkaufen. Viel Zeit braucht es, bis aus einem unscheinbaren Strandfund ein echtes Schmuckstück geworden ist. Denn die Verarbeitung von Bernstein erfordert viel Feingefühl. Schnell kann von dem spröden Naturstein ein Stück abplatzen. „Das passiert häufig“, gesteht der Profi.

Zwar könne man den Bernstein härten und für eine leichtere Verarbeitung klären, in dem man ihn in heißem Öl erhitzt oder in einem Druckbehälter zusammenpresst. „Das verändert aber seine Farbe. Er wird dunkler. Und die in ihm eingeschlossenen Sauerstoffblasen können durch das sehr heiße Öl platzen“, erklärt Hengstler. Das ergebe dann die glitzernden Plättchen, die man oft in Schmuckstücken sehen kann, die sogenannten Flinten. Ein so behandelter Bernstein darf sich nicht mehr Naturbernstein nennen. Er muss beim Verkauf als geklärter oder gekochter Bernstein oder als Autoklave gekennzeichnet sein. Viele Verkäufer würden eine solche Methode bevorzugen, da der Bernstein dadurch einheitlich gemacht werden kann. Bestes Beispiel für eine Autoklave ist eine Bernsteinkette, in der die einzelnen Perlen sich in Farbe und Struktur gleichen.

Matthias Hengstler verwendet nur Naturbernstein. Er liebt seine Farbe, seine Beschaffenheit und die Herausforderung, ihn zu bearbeiten. Aus ihnen stellt er Ringe, Ketten oder Anhänger her. Dafür schleift und poliert Hengstler den Stein mit seinen drei Maschinen, bis er funkelt. Zunächst mit einem groben Schleifblatt, später mit immer feineren. Der dabei freigesetzte Bernsteinstaub duftet wunderbar nach Harz und ätherischen Ölen.

Wenn ein Stein eine Inkluse enthält – den Einschluss eines Insekts oder eines Pflanzenteils –, macht das den Bernstein gleich noch einmal so wertvoll. Matthias Hengstler erkennt eine solche Inkluse mittlerweile sogar schon, wenn der Stein noch die raue und meist trübe Verwitterungskruste hat. Dafür hält er den Bernstein gegen eine starke Lichtquelle oder taucht ihn in Wasser. „Ist ein Schatten erkennbar, handelt es sich oft um eine Inkluse“, sagt er.

Inklusen, so der Schmuckhersteller, sind gar nicht so selten. Etwas, was dagegen sehr selten vorkommt, ist weißer Bernstein. Im arabischen Raum ist der sehr begehrt. Denn er gelte als Symbole der Reinheit und wird dort oft zu Gebetsketten verarbeitet.

Am liebsten arbeitet Matthias Hengstler mit dem Dremel, schnitzt und schneidet Figuren wie Fische, Blumen, Frösche, Pferdeköpfe oder andere Tiere. Auch Fuchsschwänze aus zweifarbigen Steinen arbeitet er gern. „Manchmal habe ich eine Idee und suche dann nach dem passenden Stein“, erklärt der Bastler. Denn was für ein Schmuckstück Hengstler am Ende herstellt, das verrate ihm der Stein. „Nicht aus jedem Stein lässt sich alles machen. Ein tropfenförmiger Stein eignet sich gut für Anhänger oder die begehrten Haifischzähne aus Bernstein“, erklärt er. Gern nimmt er auch Kundenwünsche an wie Firmenlogos oder Detailarbeiten für einen Holzkünstler.

Wenn der leidenschaftliche Handwerker erst einmal so richtig loslegt, vergisst er Raum und Zeit. „Dann kann es schon mal drei Uhr nachts werden“, lacht seine Frau Tina. Sein größtes Schmuckstück wog 500 Gramm. Bernstein ist sehr leicht. Da kann man sich vorstellen, dass die daraus entstandene Figur – ein Pilz – sehr groß war. Sein diffizilstes Werk aber waren drei Spielwürfel aus einem einzigen Bernstein. „Da durfte nichts schief gehen oder abplatzen. Ich hatte ja keinen Ersatz“, erzählt er.

Auch bei den Hengstlers zu Hause sei mittlerweile vieles aus Bernstein. Sogar die Türen eines Schrankes sind komplett mit Bernstein verkleidet. Und in seinem Traktor sähe es ähnlich aus. Alle Knäufe und Hebel hat der Bastler bereits gegen Bernstein getauscht. Die Leidenschaft zum Bernstein sitzt tief bei Matthias Hengstler.

Über das Jahr verteilt, bietet Matthias Hengstler zudem bei uns in den Bernsteinbädern für alle, die den Bernstein genauso lieben und sich selbst einmal in der Anfertigung eines Schmuckstücks ausprobieren wollen, Bernstein-Schleifkurse an. Ein Urlaubssouvenir, das sicher einzigartig ist.

Text: Sandra Grüning, www.textwerkstatt-kuestenkind.de
Bilder: Henry Böhm, www.usedomgalerie.com

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