Koserow – Atelier Niemeyer-Holstein

Das Atelier von Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984), gemeinhin auch als „Lüttenort“ bekannt, war für den Künstler und seine Familie ein Freiraum; ein kleiner Ort inmitten der unwirtlichen Landschaft, wo Wind und Wetter rau und unbarmherzig wirkten. An der schmalsten und unwirtschaftlichsten Stelle Usedoms geschaffen, hat diese Symbiose von eigenwilliger Architektur, Gartenlandschaft und Kunst eine magische Faszination. Dieses faszinierende Anwesen gilt als Ort der Begegnung, des freien, produktiven Gedankenaustausches mit Künstlern und Kunstfreunden, was Lüttenort besonders zur DDR-Zeit zu einer geistigen Oase werden ließ.

Neben der original erhaltenen Wohn- und Arbeitsstätte des Malers besitzt das Museum einen bedeutenden Fundus an Werken, die in wechselnden Ausstellungen und in den Führungen gezeigt werden. Daneben beinhaltet die Sammlung Niemeyers zur zeitgenössischen Kunst einen Einblick in den Kontext seines Schaffens mit seinen Freunden und mit jungen Künstlern. Hervorzuheben sind Arbeiten der Usedomer Maler: Otto Manigk, Herbert Wegehaupt und Karen Schacht sowie Skulpturen der Bildhauer Gustav Seitz, Waldemar Grzimek, Wieland Förster und Werner Stötzer.

Bernsteinbäder Insel Usedom - Koserow - Otto Niemeyer-Holstein

Das Archiv des Museums bewahrt 15000 Dokumente des schriftlichen Nachlasses von Otto Niemeyer-Holstein, welches neben Rezensionen, Fotografien und Ausstellungsverzeichnissen auch Korrespondenz und persönliche Aufzeichnungen enthält.

Niemeyers künstlerische Entwicklung beginnt 1917 durch die Auseinandersetzung mit den Strömungen und Stilrichtungen des frühen 20.Jhd.s. Dabei sind es besonders der Expressionismus und die Neue Sachlichkeit, die den Künstler nachhaltig bis in sein Spätwerk beeinflussen. Als Autodidakt wird er inspiriert durch die Begegnungen mit Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin und Arthur Segal im Tessin, in Ascona aus.

Niemeyer-Holsteins Bilder haben Landschaft zum Thema, Meer, Menschen und Stillleben. Grandios gelingt es dem Künstler das Meer mit seiner ungezählten Zahl an Facetten, dem Zusammenspiel von Licht, Wind und Wasser, in Szene zu setzen. Dabei ist es die Destillierung des Moments und die Atmosphäre, die den Künstler reizen. Ganz besonders ist es das Licht, in Farbmaterie gewandelt, die den Bildern einen Reiz des Ungewissen verleihen und zu ausgesprochen starker Präsenz steigern.

Niemeyer-Holstein gehörte zu einer Gruppe von Künstlern, die sich Anfang der 30er Jahre eher zufällig und voneinander unabhängig auf Usedom niederließen. Manigk, Wegehaupt und Schacht waren es , die die spätere “ Usedomer Malschule“ bildeten. Ihre Werke, die sich allesamt mit der Landschaft Usedoms auseinandersetzen, können weder dem Späimpressionismus noch dem Nachexpressionismus zugerechnet werden. Ihre Kunst ist keinem Stil, sondern einer künstlerischen Grundhaltung verbunden, dem Expressiven Realismus. Die Generation des Expressiven Realismus, die um 1900 geborenen Künstler ist relativ unbekannt, was allerdings wenig über ihren künstlerischen Rang aussagt. Die jungen Künstler, die sich in der Zeit der Weinarer Republik zu etablieren begannen, waren im Nationalsozialismus verfemt. nach dem Zweiten Weltkrieg sahen sie sich in beiden deutschen Staaten mit Kunstentwicklungen konfrontiert, die ihnen kaum Anknüpfungspunkte für eine größere Popularität boten: für die einen waren ihre Werke nicht realistisch genug, für die anderen zu wenig abstrakt.

„Die Malerei Otto Niemeyer-Holsteins gewann in den fünfziger Jahren eine solche Kraft, daß sie, etwa gleichbedeutend den Werken der Dresdner Rosenhauer, Kretzschmar, Wigand und Glöckner, als ein Grundpfeiler der humanistischen Kunst in der DDr empfunden wurde…Als eine Sonderleistung der Niemeyerschen Malerei erweist sich jenseits der Heimattümelei die Darstellung der Ostseeküste. In diesen Bildern hat der Maler sein Bestes gegeben. Sie zeigen Niemeyer auf der Höhe seines Könnens. Natureindruck ist in solchen Bildern, die wie eine Hohe Schule der Malerei anmuten, vollkommen umgesetzt in Kunst. Das Motiv ist der Sprache der Farben vergeistigt. Obgleich die Naturbeobachtung sichtbar bleibt, verliert das Objekt seine gegenständliche Direktheit zugunsten einer Aussage, in der eine feingeistige Interpretation dominiert. diese Malerei, inspiriert von der Grenzwelt zwischen Land und Meer, weist zuvörderst auf sich selbst und erst dann auf den Gegenstand, den sie darstellt.“ (Prof.Dr.Lothar Lang in “ Malerei und Grafik in Ostdeutschland“, Leipzig 2002)

Den Durchbruch erreichte Niemeyer 1961 mit der Ausstellung eines umfassenden Werküberblicks in der Nationalgalerie in Berlin-Ost. Als 1963 die erste Biennale der Ostseeländer stattfand, wurde der Künstler zum Präsidenten des Internationalen Komitees gewählt. Diese Funktion entsprach seiner Grundhaltung, sich für einen künstlerisch- ästhetischen Austausch zu engagieren. Hier bot sich ihm die Möglichkeit, auf internationaler Ebene zu wirken. Im Zeitraum von 1963 bis 1984 beteiligte er sich an Ausstellungen in Skandinavien, Asien, Amerika und Japan. Bedeutende Personalausstellungen fanden unter anderem in Berlin, Potsdam, Dresden, Leipzig, Erfurt, Karl- Marx- Stadt, Rostock, Zürich, Hamburg, Kiel und Ascona statt.

1964 wurde ihn der Professorentitel verliehen. Fünf Jahre später wird er als korrespondierendes Mitglied in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen. Auch die Verleihung des Nationalpreises der DDR zweiter Klasse (1974) ist dafür bezeichnend, dass Niemeyer- Holstein nicht zu den bedingungslos loyalen Künstlern gehörte.

Erst heute am Eingang des Jahrtausends beginnt man, diese Malerei in ihrer vollen Bedeutung wiederzuentdecken.

Öffnungszeiten Sommer
(15.4.bis 15.10.)

Neue Galerie und Garten
tägl.10:00 – 18 Uhr

Besichtigung von Wohnhaus und Atelier
nur mit Führung um 11:00, 12:00, 14:00 und 15:00 Uhr
(für Gruppen nach vorheriger Absprache)

Öffnungszeiten Winter
(16.10.-14.4.)

Neue Galerie und Garten
Mi., Do., Sa., So. von 10:00 – 16:00 Uhr

Führungen
um 11:00, 12:00 und 14:00 Uhr
(für Gruppen nach vorheriger Absprache)